Gehören Kolonialbauten zur kulturellen Identität?

Annika Seifert im Gespräch mit Ute Welty

http://www.deutschlandradiokultur.de/architektur-in-tansania-gehoeren-kolonialbauten-zur.1008.de.html?dram:article_id=341312

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Die Architektin Annika Seifert vom Daressalam Zentrum für Architekturerbe (DARCH) sieht ein wachsendes Interesse in Tansania am historisch bedeutsamen Architekturerbe der deutschen Kolonialzeit. Der Bauboom in der Millionenmetropole am Indischen Ozean bedrohe dieses aber auch.

“Es ist im Moment eine der zehn am schnellsten wachsenden Städte der Welt,” sagte Seifert im Deutschlandradio Kultur über die städtebauliche Entwicklung der 4,5-Millionenstadt Daressalam, in der sich neben dem Regierungssitz auch mehrere Universitäten befinden. Dabei finde auch im Stadtzentrum ein erheblicher Wachstums- und Verdichtungsprozess statt, bei dem sich vieles der Kontrolle der planenden Institutionen und städtebaulich verantwortlichen Behörden entziehe: “Dadurch passiert sehr viel entgegen der ohnehin schon wackeligen Denkmalschutzbestimmungen”, so die Architektin, die seit 2013 am Daressalam Zentrum für Architekturerbe (DARCH) tätig ist, das gegründet wurde, um den Schutz historischer Strukturen voranzutreiben.

Erwachendes Interesse in der tansanischen Gesellschaft am kolonialen Architekturerbe

In jüngster Zeit sei auch in der tansanischen Gesellschaft das Interesse an der Kolonialgeschichte erwacht, “und damit auch die Frage, wie man die Zeugnisse der Geschichte schützen und auch wie das bewahrt werden soll, dass das ein wichtiger und kostbarer Teil der eigenen kulturellen Identität ist – trotz des finsteren Kapitels der Kolonialgeschichte”, erklärte Seifert weiter.

Spezieller einzigartiger Baustil

Die schützenswerten Bauten speziell aus der deutschen Kolonialzeit seien nicht nur architekturgeschichtlich sehr interessant. Die in Tansania als “deutsche Architektur” eingestuften Gebäude zeichne ein ganz spezieller einzigartiger Baustil aus: “Das ist einfach eine ganz eigene und auch eigenartige Architektursprache. Es gibt Innenhöfe, schattige Veranden, dickes Steinmauerwerk mit geschnitzten leichten Holzstrukturen davor, die Schatten spenden und das Einfangen der Meeresbrise ermöglichen. Dazu gibt es auch heimatstilartige Elemente, zum Beispiel die evangelisch-lutherische Kirche in Daressalam hat diese Elemente, die ein bisschen an bayrischen Heimatstil mahnt.”

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